Startup Lesson 3: It´s the usability, stupid!
Montag, 6.Oktober 2008 , Autor: JasonHab den treffenden Ausspruch, der die Clintons ´92 erfolgreich ins Weiße Haus gebracht hat (”It´s the business, stupid!”) mal umgemünzt auf erfolgreiche Web-Applikationen. Mann, wir haben damals im April/Mai 2007 woobby auf 12 Blatt DinA4 Papier gemalt, jede Seite unter uns Gründern ne Stunde diskutiert und dann das Zeug unserem Proggie und dem Graphikerteam unter die Nase gehalten: “Macht mal, aber flott!” So ist woobby entstanden. Something stupid…
Usability testing - haben wir uns irgendwie gespart. Wir sind groß. Wir können das. Äußerst erstaunlicherweise haben wir das Prinzip ziemlich lange durchgehalten. Tja, so´n Test hält ja auch verdammt auf. Und wie soll ich das vernünftig messen? Und auswerten? Und wieviele Leute benötige ich dazu? Hat doch sowieso jeder eine andere Meinung.
The Power of Usability - dafür gibt es einen Namen: Apple. Ob Mac, iPod oder iPhone - Steve Jobs und seine Leute haben immer wieder demonstriert, welche Klassenunterschiede gute Usability ausmacht (und natürlich hinterher gutes Marketing..;-)). Am frappierendsten fand ich die Entwicklung im Handy-Markt. Noch als Berater habe ich mitbekommen, wie die ersten Versuche, mobile Datenkommunikationslösungen an den Nutzer zu bringen, kläglich gescheitert sind: das WAP-Desaster, imode, Vodafone LIVE…alles mit großem Marketing-Aufwand gestartete Kampagnen und niemand wollte die Dienste nutzen. Ich habe die ersten UMTS Motorola-Handies Anfang 2003 LIVE miterlebt. Jedem leuchtete ein, wie schön es wäre, das Internet auch mobil nutzen zu können. Nur so ging es gar nicht. Der erste Anbieter, der das begriff, war die kanadische Firma RIM mit seinem Blackberry - seitdem eine unaufhaltsame Erfolgsstory. Emails mobil lesen konnte von da an auch jeder 60jährige Manager, der noch nie eine SMS versendet hatte. Es war so easy. Intuitiv. Simpel. Selbstverständlich. Und genau das ist soooo schwierig.
Nokia ist seit Jahren die dominierende Handy-Marke mit einem weltweiten Marktanteil von an die 40% und weltweit über 450 Mio. verkauften Endgeräten in 2008. Unendlich viele Mitarbeiter arbeiten dort an der Entwicklung der Geräte für die Zukunft. Und unendlich viele Strategen bei Nokia predigen wie Evangelisten, dass Mobile Data the NEXT BIG THING ist.
Aber es musste Apple kommen, um zu demonstrieren, dass ein Screen so groß wie das ganze Handy sein kann. Dass man mit einen Touchscreen mehr Spaß am mobilen Internet hat und noch einen Haufen anderer sinnvoller tinylittle innovations…Warum? Weil die Jungs sich dort einfach unglaublich viel Zeit genommen, nachzudenken, wie man die Dinge einfacher / besser / schöner / eleganter machen kann. Ich weiss noch, dass die Presse einhellig abgelästert hat, als Steve und Co. den Launch des iPhones um ein halbes Jahr verschoben haben wg dieser Dinge. Klar, ein Handy, packen die PC-Fritzen nie….läster, läster…And now?
Tja, und was für das mobile Internet gilt, gilt natürlich für die Web 2.0 Welt im fixed internet umso mehr. “Usability is King!” - wie auch hier schön beschrieben wird. Nur die Umsetzung. Keine einfache Aufgabe. Wir sind jetzt 1 Jahr unterwegs und die User, die woobby intensiv nutzen, kommen prima klar. Nur die - nicht grad wenigen - die täglich über die Suchmaschine auf woobby stoßen, die haben allergrößte Probleme zu verstehen, was sie tun sollen und um was es eigentlich bei uns geht. Das wurde uns wieder drastisch deutlich als wir letzte Woche zu Gast bei einem der führenden Web 2.0 Plattformen in Deutschland waren und wir den CTO vor die Aufgabe stellten, bei woobby eine Rangliste zu erstellen. Der Mann ist erfahren, hat uns 1h lang eine vergnügliche Lehrstunde in technischen Aspekten, Usability und SEO Gedanken etc. geliefert. Beeindruckend und hilfreich. Und dieses Web 2.0 Urgestein sass vor unserem Angebot geschlagene 60 sec und klickte verzweifelt auf alles, was sich bewegte - aber bekam es einfach nicht hin…Sollten wir weinen oder lachen?
Wir arbeiten grad mit Tim Schneider und Daniel Peters, dem Team von Kopfkribbeln, an der Gestaltung einer neuen Rankingseite - der Seite, die 75% unseres Traffics erhält. Keine einfache Sache. Aber wir sehen auch, wie viele Dinge eleganter gestaltet werden können, wenn man Erfahrung hat und Lösungen sieht. Und wieviel Potential im harten Ringen um klitzekleine Aspekte auf einer Seite stecken. Stephan Uhrenbacher von Qype hat mich vor Monaten in einem Vortrag beeindruckt, als er diesen Aspekt des harten Ringens um die Optimierung hervorhob. Nicht alles gefällt mir auf Qype, aber ich sehe viele Elemente mir jetzt mit anderen Augen an, und sehe auch, wievieles davon sehr schön durchdacht ist. Wahrscheinlich nicht über Nacht entstanden.
Der oben zitierte CTO hatte diesen Jahr einen nicht sonderlich erfolgreichen Relaunch seiner Seite hinter sich und hat - nun - ein Team von Usability Leuten bei sich angestellt, die den nächsten Versuch schlanker, simpler und durchdachter gestalten wollen. Nicht nur wir brauchen Anstöße, auch sehr erfolgreiche erfahrene Internet-Unternehmer erfahren the power of usability - wie dieses sehr aktuelle schweizer Beispiel anschaulich zeigt. Auch Yigg hat dieses Jahr äußerst schmerzlich erfahren, was man alles falsch machen kann - bei diesem Thema.
Einen der für mich beeindruckendsten Vorträge auf der diesjährigen Next08 hat Ryan Singer von 37signals gehalten, dem Team um den Rails-Erfinder David Heinemeier Hanson. Im Kern ging dieser Vortrag (hier eine ähnliche Präsentation von ihm) um Usability-Beispiele quasi im Nano-Bereich - wie Pixel-Änderungen dem User Vorteile bringen und die Nutzerführung verbessern. Ein eindrucksvollen Plädoyer für die intensive Auseinandersetzung mit Usability-Aspekten. Simplicity / Mut zur Reduktion auf das Wesentliche, nicht hyper-kreativ sein wollen, was ist konkret der Nutzen für den User, was erwartet der User und versteht der User, was wir wollen?- das sind wohl die wichtigsten Punkte.


















Florian Bailey sagt:
6.Oktober 2008
Trackback ohne weiteren Bezug ist unhöflich da es nur Traffic zieht, aber nicht im Gegenzug zurücklinkt. Als freundlicher Netiquette Hinweis gemeint.
Thorsten Biedenkapp sagt:
7.Oktober 2008
Zunächst einmal vielen Dank für das Feature in Eurem Artikel.
Zugegeben: Auch ich (erfahrener Webworker) habe große Schwierigkeiten herauszufinden, was genau woobby.com macht. Es erschließt sich einfach nicht von der Startseite aus. Lediglich ein kurzer Hinweistext informiert mich, dass ich auf irgendetwas antworten kann. Warum ich das tun sollte, bzw. wo mein Nutzen ist, wird nicht ersichtlich.
Aber: Ihr seid mit diesem Problem offensichtlich nicht allein. Auf dem Webkongress Erlangen hat Nicolai Schwarz von den Webkrauts einen spannenden Vortrag zur Funktion von Text im Rahmen von Usability gehalten. Die Essenz dieses Vortrags könnte Euch eventuell helfen besser zu werden: Beschreibender Text auf der Startseite, der in wenigen Worten klar macht, was ihr eigentlich tut. Beispiel gefällig: “wooby.com ist eine … (Plattformbeschreibung in drei Worten) auf der Du … (Tätigkeit) kannst und … (Nutzen).” Wer dann noch mehr erfahren möchte, für den ist eine Guided-Tour im Angebot
Im Prinzip ist das eine einfache, aber sehr effektive Veränderung.
Gutes Anschauungsmaterial für dieses Beispiel ist dropsend.com oder now-in.org. Beide arbeiten mit kurzen deskriptiven Texten auf der Startseite, die ins Auge fallen. dropsend bietet darüber hinaus noch eine Guided Tour an, die zudem noch unterhaltsam und plakativ ist.
Vielleicht noch ein Wort zum Thema Usability: Es geht bei Benutzbarkeit nicht nur darum komplexe Dinge einfach zu machen. Es geht primär auch darum das mit einfachen Mitteln zu tun. Denn je aufwändiger der Prozess, desto komplexer das Endprodukt. Wenn ich gigantische Verrenkungen vornehmen muss, um Einfachheit zu erreichen, dann stimmt mein Grunddesign schon nicht und muss überdacht werden.
Ich wünsche Euch auf jeden Fall viel Erfolg bei Eurem Vorhaben. Immer daran denken: Möge der Weg auch steinig sein, die Mühe lohnt
Viele Grüße aus Frankfurt am Main
Thorsten Biedenkapp
PS: Klärt mich bitte rasch auf: Was macht woobby.com???
Jason sagt:
7.Oktober 2008
@Florian - klaro - hab ja nun auch extra auf Deinen Blogbeitrag verwiesen, nur dummerweise den falschen Link reingepackt - war gestern schon etwas später, sorry! Aber fand das ja grad sehr interessant, was bei Dir in diesem Artikel zum Thema Usability zu lesen war:
http://id-o.de/2008/10/02/usability-die-erwartungen-des-users-erfullen/
Jason sagt:
15.Oktober 2008
Hallo Thorsten,
sehr coole Tipps! Werde mich definitiv auf den von Dir genannten Seiten ein wenig tummeln und dann MACHEN, so dass auch Du demnächst besser verstehst, was woobby soll, kann und will.
BTW: wir haben wirklich mit viel Liebe unsere FAQs und die neue Tour gestaltet - ein Blick dahin erläutert schon vieles. Nichtsdestotrotz müssen auch die anderen Hausaufgaben gemacht werden - URGENT!