Startup Lesson 18: Ergebnisorientierung und Geduld

Dienstag, 21.Oktober 2008 , Autor: Jason
Erstellt in Kategorie Entrepreneurship

Führung - ob bei Mitarbeitern, Freelancern oder externen Dienstleister - hat im wesentlichen ein Ziel: man möchte vorankommen. Das Vorankommen dokumentiert sich am besten in handfesten Ergebnissen. Dinge, die man greifen, sehen, messen kann. Alles andere ist im Bereich des “gefühlten”. Ist nett, aber bringt wenig Sicherheit, dass das Startup sich wirklich nach vorne bewegt.


Da ist man in keiner anderen Situation als Uli Hoeneß mit Alles-Veränderer Kliiiiinsmaaaan: ein 1:0 ist ein 1:0 ist ein 1:0. Da gibt es keine Diskussionen, sondern 3 Punkte. Und die bringen einen weiter. Die Jungs bei T-Mobile haben immer gesagt: “das zahlt ein” - auf die Marke, aufs Ergebnis, aufs Konto - wo auch immer. Hauptsache: Zahltag!

Ergebnisse, “Results” - die Amis - die alten Calvinisten - sind ja Meister darin, auf alle Verzierungen zu verzichten und auf die nackten Zahlen zu schauen. Da werden Pläne in allen Details gemacht und die Ergebnisse daily/weekly/monthly und vor allem quarterly gemessen, prognostiziert, geforecasted und compared gegen realized. Oder wie Focus TV-Star Markwort jedesmal vom Redaktionsteleprompter ablesen darf: Fakten, Fakten, Fakten…That´s business!

Nun - aber in kleinen, feinen Startups lernt man ja auch, dass Sten Nadolny´s “Die Entdeckung der Langsamkeit” viel mit der realen Welt zu tun hat. Geduuuuuld! Abwarten. Wird schon. Kommt schon noch. Wird gemacht. Erledigt. Morgen. Garantiert. Nuuuuja…Muss nur noch eben das vorher geklärt / geprüft / voreingestellt / vorbereitet werden. Und dann kann es schon losgehen. Ganz bestimmt.

Das ist ein feiner Grad, auf dem der balancierende Gründer über dem Abgrund tanzen lernen muss. Denn er ist darauf angewiesen, dass andere für ihn etwas fertigstellen. Und tatsächlich wurde auch die Erde nicht an einem Tag komplett einzugsfertig erschaffen. Aber irgendwann ist die ganze Geduldsnummer auch einmal am Ende. Spätestens dann, wenn die Kohle dahinschmilzt. Dann möchte man Ergebnisse sehen. Und fragt sich, war man eigentlich da und dort viel zu nett? Zu nachsichtig? Zu freundlich? Zu schwammig? Zu unklar?

Keine Frage: am Ende des Tages geht es um Leistung, um Ergebnisse. Werden diese nicht gebracht, so ist jeder Gründer gezwungen, irgendwann “Butter bei die Fische” zu geben und Konsequenzen zu ziehen. Man muss ja nicht so lange warten wie die BayernLB. Oder die KfW. Aber Konsequenzen bedeutet auch immer, dass man auf Optionen verzichtet. Verzichten muss.

Nur andererseits dauert eben vieles einfach mal länger als es wünschenswert ist - und als man es vielleicht geplant hat. Doch wieviel der - von der anderen Seite - eingeforderten Geduld soll man aufbringen - und wo muss selbst der geduldigste Gründer einmal sagen: Sorry - bis hierhin und nicht weiter - wenn nichts rauskommt, dann kann es auch nicht weitergehen. Dann trennen sich die Wege. Es ist ja ein beliebtes Spiel, in Fragebögen für prominente Mitmenschen als schlechte Eigenschaft “Ungeduld” anzugeben, denn es suggeriert zugleich: Hier will einer nach vorne, der will was reißen. Insofern ist es sozial eigentlich erwünscht und somit eine positive Eigenschaft von Machern, ungeduldig zu sein. “Ungeduld” wurde aber auch bei der Gründerszene als spezifische Merkmal im Web 2.0 Umfeld gekennzeichnet…

A little thin line…zwischen Geduld und Konsequenz - wann zieht man die Reissleine?


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