Startup Lesson 20: Fokus, Fokus und die richtigen Prioritäten setzen
Donnerstag, 23.Oktober 2008 , Autor: JasonDas ist wie mit einem großen leckeren Sonntagsbrunch-Büffet. Man kann nicht alles essen, sonst ist der Tag schon gelaufen und man liegt nur auf dem Sofa. Man verschluckt sich, überisst sich und jammert dann. Und so ähnlich ist es auch mit den Aufgaben in einem Startup. Da liegen sie vor einem - und wenn man motiviert ist und begeisterungsfähig - und das sind wir ja - dann, ja dann möchte man am liebsten überall zugreifen. Es muss ja auch noch so vieles gemacht werden und es gibt soviele gute Ideen, die unserem Startup woobby.com bestimmt weiterhelfen würden, unsere User glücklicher machen würden, den Mitarbeitern Spaß bringen würden, einfach schon immer mal gemacht werden müssten, usw….
Die Verlockung ist groß. Der Ehrgeiz auch. Das packen wir schon. Alles. Irgendwie. Mit unserem guten Team. In Rekordzeit. Natürlich.
V.E. oder etwas deutlicher: Vergiss es!
Denn auf jede Aufgabe sollte der geübte Gründer erstmal die Mehrzeitsteuer drauf packen. Nicht 19% sind das im Startup Country, sondern grundsätzlich mal satte 50%. Mindestens. Warum? Nun, ganz einfach: Koordination kostet Zeit. Und man muss immer was koordinieren. Es gibt unvorhergesehene Wartezeiten: Warten auf die Technik, den Mitarbeiter, den Kooperationspartner, die Statistik, die User …es gibt immer was zu warten in einem Startup. Das ist der Zeitfresser Nr.1.
Dann gibt es das kleine Wörtchen Komplikation. Es gibt immer eine Hindernis, das plötzlich aus dem Nichts auftaucht. Da geht es einem Startup permanent wie der Titanic - lauter Eisberge um einen herum, die ein Vorhaben zum Kentern bringen können. Oder zumindest aufhalten werden. Irgendwas hat man bei jedem Plan nicht bedacht - Resourcenmangel, juristische Fallen, technische Probleme, Lieferabhängigkeiten…Das ist der Zeitfresser Nr. 2.
Und dann gibt es noch das Phänomen des “nicht auf die Strassen bringen”. Das Projekt oder Vorhaben schwebt ständig irgendwie in der Luft. Aber es will nicht landen. Es wird einfach nicht fertig, weil irgendwas anderes dazwischen kommt, weil der Mitarbeiter X einfach mal gestoppt hat, weil Aufgabe Y plötzlich mal höhere Priorität bekommen hat. Oder weil etwas vergessen wurde. Oder Mister Z es einfach nicht hinbekommt. Nicht gebacken kriegt. Der menschliche Faktor oder auch fehlende Kompetenz, das ist Zeitfresser No. 3.
Diese drei Zeitfresser nagen an jedem schönen Plan, den man sich und dem Team massgeschneidert hat - geglaubt hat….also mal 50% obendrauf packen. Per default! Die sicheren Planer geben gleich mal 100% dazu.
“Do less!” - die Mager-Prio-Quark-Diät ist Wunschtraum und Managementaufgabe zugleich
Deswegen muss man zwangsweise auf etwas vom Büffet verzichten, so verlockend es auch ausschaut. “Do less!” Zwei simple Worte drücken aus, was jeder will, aber kaum einer hinbekommt. Weniger ist mehr. Friss die Hälfte. Fokus, Fokus, Fokus…..Aber auf was soll man sich fokussieren?
In der Gründungsphase unseres Unternehmens - Pre-Launch sozusagen - da lagen die Aufgaben quasi auf der Hand und in den meisten Fällen auch die Abhängigkeiten. Das war relativ einfach. Wir haben damals mit Monatsplänen gearbeitet. Dann haben wir zum Monatsbeginn auf ein Flipchart-Paper unsere Liste der großen ToDos geschrieben. Das, was wir in dem jeweiligen Monat erreichen wollten. Und dann fair aufgeteilt auf uns drei. Jeder hat dabei in der Regel so 6 Päckchen abbekommen - manche davon waren leichter, manche schwerer. Aber jeder konnte seine Päckchen irgendwie tragen und wir bekamen unser Jobs prima gestemmt. Das gibt ein verdammt gutes Gefühl. 6 kleine oder größere Erfolgserlebnisse jeden Monat. Und wir hatten sogar noch Zeit für alle möglichen anderen Späßchen nebenbei.
Nun - wie so oft im Leben - aus Spaß wird Ernst. Und obwohl das Team wächst, gilt es, je weiter man fortschreitet, um so mehr: fokussieren! Denn jede Initiative, die gestartet wird, ist wie ein Zug, der aus dem Bahnhof fährt oder ein Tanker, der auf hoher See unterwegs ist: Stoppen geht nicht so einfach und auch eine Richtungsänderung ist sehr schwer. Deswegen weniger Schiffchen in See stechen lassen oder weniger Züge abfahren lassen, umso weniger Weichen muss man stellen.
Konzentration auf das Wesentliche! Steht ja eigentlich auch in allen Managementbüchern dieser Welt. Aber was ist DAS MAGISCHE WESENTLICHE? Tja, da kommt dann der Bauch ins Spiel, der Glauben, die Kalkulation, der dicke Daumen, die Ressourcen-Matrix, die Stärken-Schwächen und Chancen-Risiko-Analyse (call me SWOT!) etc. Jeder hat hier seinen eigenen Kompass und Managementstil, nach dem verfahren wird. Es gibt da auch keine einzige Wahrheit. Das Optimale kann für Fritz etwas anderes sein als für Franz. Ich kann nur jedem raten, seinen eigenen Stil zu entwickeln.
Ich kann aber auch nur jedem raten, über die Konsequenzen zumindest nachzudenken. Und dafür dann auch mit allen Konsequenzen die Verantwortung zu tragen. Alles gleichzeitig geht bekanntlich oft schief, wie Erwin Huber grad erkennen musste. Fokus auf eine einzige Sache ist für ein Startup allerdings ebenfalls sehr riskant. Den goldenen Mittelweg zu finden, ist sicher eine der Reifeprüfungen eines jeden Startup-Teams!


















Roland Kopp-Wichmann sagt:
31.Oktober 2008
Tolle Serie mit Tipps fuer Startups haben Sie da entwickelt. Kompliment!
Umso mehr freut mich, dass Sie dabei auf meinen Artikel ueber Zeitmanagement verlinken.
Gerade hier liegen meiner Meinung grosse Stolperfallen, wenn man glaubt, dass Zeitprobleme etwas mit den To-do-Listen und der beschraenkten Zeit zu tun haetten.
In der Auswirkung natuerlich schon, doch mit Zeitmanagement-Tipps kommt man da meist nicht weiter. Vielmehr ist es wirklich, sich zu fokussieren, wie Sie es bei der Nischenfindung ja schon beschreiben. Aber die Fokussierung ist auch fuer jeden Tag notwendig. Denn Zeit kann man eben nicht sparen oder nachholen.