Startup Lesson 26: Barack Obama - the greatest startup of all times

Donnerstag, 6.November 2008 , Autor: Jason
Erstellt in Kategorie Web 2.0

Ich erinnere mich, dass ich am 10. November 1989 bei einer Market Team-Veranstaltung in Münster war. Und erst an diesem denkwürdigen Morgen habe ich erfahren, dass es einen 9. November gegeben hatte. Die Party am Abend vorher war heftig. Ein Japaner war der erste Redner morgens früh. Und er war sehr nachdenklich, sehr ernsthaft. Sehr reflektiert. Er sprach vom Beginn einer neuen Epoche. Diese Rede eines Ausländers zum Mauerfall hat mir mehr als alles andere klar gemacht, dass sich die Mächte der Welt mit diesem Fall komplett verschoben haben.


Gestern war wieder so ein denkwürdiger Tag oder besser Nacht…bis 2 Uhr bin ich wach geblieben, um zu sehen, ob die positiven Prognosen für Obama Realität werden. Um viertel vor 6 bin ich dann vor dem Fernseher aufgewacht. Es war passiert. Obama war zum Präsidenten gewählt worden. Obamas Moment war gekommen! Mit überlegenem Vorsprung vor McCain - der zuletzt doch überraschend viel Humor bewiesen hatte (ganz im Gegensatz zu Hockey Stick Naylin Palin) - und fair, respektvoll und freundschaftlich gratuliert hatte. Dann hielt dieser fitte, smarte und so überraschend beherrschte junge Mann Obama eine klare und scheinbar völlig freie Rede über 17 Minuten lang, ohne jegliche Beherrschung zu verlieren.

Interessanter aber noch als dieser disziplinierte, kluge, begabte Redner waren die Reaktionen der Zuschauer. Ganz davon ab, dass dieser Wahlkampf länger, intensiver und mehr von den Medien begleitet als irgendein anderer zuvor. Auch die Mobilisierung der Menschen und die Emotionen, die damit verbunden waren, konnten an diesem frühen Morgen nur überraschen. Danach gab es wohl überall Parties auf den Straßen Ganz so wie 1989 in Deutschland nach dem Mauerfall.

Die zuletzt häufig kritisierte Supermacht Amerika hatte erneut bewiesen, dass sie in der Lage ist, sich selbst neu zu erfinden und zu finden und nach wie vor eine durch und durch demokratisch geprägte Nation ist. Und das ein solcher Machtwechsel derart elegant, respektvoll und fair ablaufen, wie man dies als Aussenstehender fast nicht mehr erwarten konnte.

Obama hat gewonnen, weil das Bush-Regime zum No-Go geworden war, weil die Finanzkrise das Vertrauen in den Neo-Liberalismus der Märkte bei den einfachen Leuten dramatisch erschüttert hatte und weil der erfahrene Kriegsheld kein Held im Financial War wurde. Aber der wichtigste Grund für den Sieg lag nicht darin, dass 95 % der Schwarzen für Obama gestimmt hatten. Und auch nicht, dass er die stark wachsende Bevölkerungsgruppe der Hispanics für sich besser einnehmen konnte. Nein - der wesentlich Grund lag in der Gewinnung und Mobilisierung junger Menschen (Jung- und Erstwähler) - dies war das Geheimnis des Erfolges von Obama. 68% dieser Zielgruppe entschieden sich für den jugendlich wirkenden neuen Helden.

64% Prozent Wahlbeteiligung - klingt eher wenig - aber für die US-Elections der beste Wert seit der Wahl des anderen jugendlichen Heldens, des damals 43 jährigen J.F. Kennedy 1960. Und was damals das Fernsehen war (erstmals Fernsehdebatten mit einem unrasierten, matt und müde aussehenden Kontrahenten Nixon), das war diesmal das Internet. Youtube, Facebook, MySpace etc - sie haben die Wahl entschieden. Und die unzähligen Kleinspenden, die übers Internet eingetrieben wurden und zum sensationellen Funding von über 640 Mio. Dollar für Obama geführt haben - in gut 20 Monaten Kampagne. Obama und sein Team haben verstanden - wie man das Medium Internet für sich und seine Zwecke einsetzen kann. Und sie haben dies viel konsequenter, glaubwürdiger und vor allen Dingen viraler eingesetzt als der Old School-Krieger McCain umsetzen können.


Obama und sein Team waren definitiv das “greatest startup of all times”, welches das Internet gesehen hat. Klar hat das Youtube-Team mit 1,6 Mrd. Dollar den Google-Boys noch ein bischen mehr Taschengeld rausgeleiert, aber ich bin mir sicher, dass das Obama-Team heute - bei ordentlicher Marktkapitalisierung an der Wallstreet - mehr wert gewesen wäre als Zuckerberg / Facebook, MySpace und StudiVZ zusammen.

Mal schauen, wie sich die Börse entwickelt…and God bless you, America!


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